War against War Festival- ORWOHaus Berlin

Am 19.11.2022 lud Asgaardian Events im Rahmen ihres 10- jährigen Bestehens zu dem 1. Eintagesfestival War against War in das ORWOhaus in Berlin. Und es wurde voll. Das Festival war nur noch wenige Karten von einem “Ausverkauft” entfernt gewesen. Kein Wunder bei dem Billing mit insgesamt zehn Bands. Es gaben sich unter anderem Kanonenfieber, Ellende, Agrypnie und Varg die Ehre. Aber fangen wir doch mal von Anfang an:

Mit leicht verspäteten Einlass ging es dann auch direkt mit der ersten Truppe los. Die Berliner Praise the Plague betraten die Bühne, jedoch erst ohne den Sänger. Der Song begann mit einem langen Intro, mit dessen Beginn des Gesangspartes Robert mit erhobenen Bieres zu seinen Kollegen schritt um direkt in den Track einzusteigen. Direkt mit dem zweiten Lied bauten sie die düstere Stimmung mit Hilfe des Bassisten auf, nur um dann direkt melancholisch und auch wieder melodischer innerhalb eines Songs zu werden. Von Anfang an schafften die fünf Jungs es so, eine schwerfällige und drückende Atmosphäre zu erzeugen. Auch war die Freude auf der Bühne zu stehen gerade dem Gitarristen sehr anzumerken. Praise the Plague lieferten soliden, schnörkellosen Blackend Doom Metal ab und schafften es so, die schon sehr zahlreich erschienen Besucher, zu begeistern.

Den zweiten Auftritt des Tages bestritten die Dark Metaller von Eden weint im Grab, mit einem speziellen Old- School Set. Hier zeigten sich dann auch schon die ersten Unterschiede, denn der Gothic Einfluss zeigte sich auch schon in der Wahl der Bühnenoutfits. Schwarz mit Schnallen und Nieten, Rüschen und ein langer Mantel. Es war alles vertreten. Der Cello Spieler hätte hier auch der Band Fleshgod Apocalypse entsprungen sein können. Musikalisch lieferten diese aber sehr zuverlässig ab. Auch lockerten die sympathischen Ansagen des äußerst kommunikativen Sängers Alexander Paul Blake die Stimmung immer wieder auf. Leider ging das Cello in der Performance ziemlich unter, was ich persönlich sehr schade fand. Da hätte man Sound technisch echt mehr raus holen können. Eine Chance alleine zu glänzen gab es dann aber doch noch: Bei dem Track Die Sage von der weißen Frau, gab es direkt zu Anfang ein relativ langes Intro, welches dann das Cello Solo stellte. Im großen und ganzen war auch dies ein ziemlich starker Auftritt.

Dann folgte eine Band, auf die ich mich schon ganz besonders gefreut habe: Cân Bardd, mit ihren melodisch- epischen Black Metal mit Folk Einflüssen. Die aus Genf stammende Truppe hatte mit diesem Festival, dank Corona und der Absage einer Tour,  ihren erst zweiten Auftritt in Deutschland. Der erste war auf dem Dark Troll Festival 2022 gewesen. Von Nervosität war bei der jungen Truppe aber nichts zu merken. Im Gegenteil- absolut souverän schafften es die vier Jungs mit ihren vielseitigen Stücken die Menge in ihren Bann zu ziehen. Dabei spielten sie sich einmal quer durch ihr im Jahr 2021 erschienen Werk Devoured by the Oak. Von verträumt und verspielt, bis zu knüppelhart war alles dabei, auch innerhalb eines Songs. Sie schafften es, unter anderem auch mit ihren melodischen eingespielten Backtracks, eine wunderbare Gänsehaut-Atmosphäre zu kreieren, die ihnen gepaart mit ihrer sichtbaren Spielfreude, jede Menge neuer Fans bescherte. Dies zeigte sich auch an der großen Traube an Menschen vor ihrem Merchstand und den Zugabe rufen nach dem Gig. Als einziger Kritikpunkt wäre aufzuführen, dass der Gesang leider, zumindest bei den dominierenden Gitarrenparts, sehr unterging. Für mich trotzdem definitiv ein Highlight auf diesem Festival.

Und um diese einzigartige Atmosphäre hoch zu halten, durften als nächstes direkt Waldgeflüster die Bühne in Beschlag nehmen. Nachdem die ganze Holzdeko auf der Bühne verstaut war, betrat Sänger Jan „Winterherz“ van Berlekom die Stage, während der Song A Taglachinger Morgen lief. Gegen Ende des Tracks traten auch die restlichen Bandmitglieder hervor und stiegen direkt zu Im Ebersberger Forst mit ein. Auch fanden sich zwei Songs dem Monat entsprechend auf der Setliste – nämlich Graustufen Novembertage und Rotgoldene Novemberwälder. Und wieder einmal schafften es Waldgeflüster mühelos, eine intensive und düstere Stimmung zu erzeugen, die einen einfach komplett abholt und mitnimmt . Während den gesangslosen Passagen in den Stücken stand Jan auch öfters mit dem Rücken zur Crowd oder, fast schon andächtig anmutend, nach vorne gebeugt am Mikrofonständer. Waldgeflüster sind live einfach eine Macht.

Nach einer kurzen Umbaupause ging es dann direkt mit Firtan weiter, welche von Beginn an ebenfalls eine Spielfreude an den Tag legten, um so direkt an die vorherigen Bands anzuknüpfen. Leider hatte ich das Gefühl, dass ihnen das Abholen der Crowd, trotz ihrer Lust, erst ungefähr ab Mitte des Sets gelang. Was aber keinesfalls bedeutet, dass sie in irgendeiner Weise schlecht waren. Im Gegenteil. Gerade die neuen Stücke ihres aktuellen Albums Marter, wie Lethe, Labsal oder Amor Fati wurden sehr gut angenommen. Den Opener Track machte Faðir, den Abschluss als Outro bildete Perath, mit einem wundervollen Geigensolo von Violinistin Klara Bachmair. Gerade gegen Ende hin ein sehr starker Auftritt mit einer dann doch wieder munteren Crowd.

Als sechste Band des Tages durften die Death- Doom Metaller von Décembre Noir aus Erfurt ran. Auch hier war die Atmosphäre von Beginn an sehr stimmig, wie vorher schon bei Cân Bardd und Waldgeflüster. Gestartet wurde das Set mit Hope/Renaissance. Resurrection und Barricades, welcher den Schluss bildete, durften natürlich auch nicht fehlen. Gerade auch Sänger Lars zeigte sich äußerst kommunikativ und mit viel Interaktion mit dem Publikum. Auch kam er immer wieder von der Bühne herunter, um an der Absperrung direkt vor den Besuchern zu singen. Er lobte außerdem noch die Stimmung im Raum und wünschte noch viel Spaß mit den restlichen, noch folgenden Bands. Aber auch Bassist Stephan zeigte sich sehr gelenkig und verrenkte sich auf der Bühne beim Spielen. Auch hier wurde ein schnörkelloser, solider Auftritt abgeliefert, an dem es so nichts auszusetzen gibt.

Dann war es endlich soweit: Eine der Bands, auf die gefühlt alle gewartet hatten, nahm die Bühne ein. Mit Gewehrsalven im Hintergrund betraten Kanonenfieber die Stage. Und was soll ich sagen: Jeder, der schon einmal diese Band live gesehen hat, weiß was das für ein Abriss ist. Die erste Wall of Death und der daraus resultierende Moshpit war geboren. Mit Songs wie Die Schlacht bei Tannenberg, Dicke Bertha und Yankee Division March überzeugten die Herren, rund um Sänger Noise, auf ganzer Linie. Auch weil dieser absolut in seiner Rolle auf der Stage aufgeht. Quasi eine Geschichtsstunde hautnah. Auch durften natürlich die beiden neuen Songs der kürzlich erschienen EP nicht fehlen, Der Füsilier I und II. Zu diesen beiden Tracks wurden extra zwei Tannenbäume auf die Bühne gepackt und die Schaumkanone für den Schnee angeworfen. Die Songs werfen uns an die Karpaten-Front während des 1. Weltkrieges und erzählen über die schwierigen Umstände, bei der die Soldaten während des Winters kämpfen und ausharren mussten. Auch hier spielte Noise seine Rolle wieder hervorragend. Als frierender Kamerad wärmte er sich im Schneegestöber, mit Hilfe seines Kumpanen, die Hände an einer Lampe. Wer Kanonenfieber noch nie live gesehen hat, sollte dies schleunigst nach holen. Ihre Songs erzeugen eine dichte Atmosphäre, welche die Schrecken des 1. Weltkrieges sehr gut einfangen.

Mit Verspätung ging es dann auch mit dem Headliner des Tages los: VARG. Es fand dann auch erst mal ein kleiner Fanwechsel der Hauptacts vor der Stage statt. Und auch hier war, wie bei Kanonenfieber, dann die Hölle los. Es entwickelte sich wieder ein ebenso mächtiger Moshpit wie vorher. Man könnte fast meinen, die Anhänger wollten sich daran messen, wer mehr eskalieren kann. Auffallend war auch, dass Drummer Fenrier Hummeln im Hintern hatte, denn er stand laufend auf seinen Drums, mal mit, mal ohne Zigarette im Mund. Generell wurde den Besuchern auch hier eine unglaubliche Spielfreude präsentiert. Dabei spielten sie Songs wie Verräter, welches erstmalig an dem Tag auf Tour performt wurde und auch Schildwall, wo Sänger Freki energetisch die Faust Richtung Boden sausen lies. Auch durfte natürlich der Track Rán, wunderbar von Fylgja gesungen, nicht fehlen. Fara Til Ránar war ein weiteres Highlight auf der Setliste, denn gesungen im Duett macht der Song einiges her, gerade weil die beiden Stimmen so wunderbar miteinander harmonieren. Das Ganze mit einer emotionalen Performance kombiniert, ließ das Publikum laut applaudierend zurück. Zum Abschluss wurde Phöenix gespielt, aber nicht so wie wir den Track kennen, sondern als Akustik-Version, wieder gesungen von Fylgja. Eine toller Auftritt im Gesamten.

Und dann folgte die längste Pause des bisherigen Tages. Aufgrund eines, wie es schien Totalausfalls der Technik, verzögerte sich der nachfolgende Gig um ungefähr 45 Minuten. Das war dann bei dem wieder kälter werdenden Wetter, dem draußen einsetzenden Schneefall und der auskühlenden Halle echt nicht angenehm. Jacken und Mützen wurden gezückt und sich eingemummelt. Als dann endlich wieder der erste Ton erklang, brach das Publikum in Jubel aus. Auch die Band war sichtlich erleichtert.

Dann durften endlich Agrypnie auf die Stage, welche ab der ersten Sekunde eine Spielfreude aufzeigten, welche sich auch bei den anderen Bands gezeigt hatte. Wir ertrunkenen, Verwüstung und Grenzgänger waren dabei einige Songs, welche es auf die Setliste geschafft hatten. Zwischendurch zollte Sänger Thorsten dem immer noch zahlreichen Publikum Respekt, dass es in der Kälte und zu der später Stunde ausgeharrt hatte, um die letzten beiden Bands zu sehen. Das brachte die Crowd dann auch ganz schnell wieder auf Betriebstemperatur, denn es wurde gemosht und gesungen, als ob es kein Morgen gibt. Da passte dann auch der nachfolgende Titel Die längste Nacht, ehe es mit Schlaf dann Richtung Ende ging. Was für ein toller Auftritt ohne viel Gelaber. Ein schnörkelloser, einwandfreier Gig, einer sehr sympathischen Band. Danke.

Als Ellende dann anfingen, war es schon el(l)endig spät. Sorry, der musste leider sein. Dass der ursprüngliche Zeitplan mittlerweile komplett gesprengt war, störte jetzt aber niemanden mehr. Das immer noch zahlreich anwesende Publikum war froh, dass die letzten beiden Bands überhaupt noch spielen konnten und das, ohne Songs streichen zu müssen. Und mit dem Track Atemzug ging es dann auch direkt los. Es folgten unter anderem Ballade auf den Tod und Meer. Auch hatten es Songs des kürzlich erschienenen Albums Ellenbogengesellschaft in die Setliste geschafft. Nicht verwunderlich, da diese einfach fantastisch sind und der Gig ja auch als Release Show angepriesen war. Ruhelos, Hand aufs Herz und Freier Fall waren eben diese. Und Ellende zeigten mal wieder, dass sie es einfach drauf haben, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Eine unglaubliche Bühnenpräsenz ab der ersten Sekunde und unfassbar viel Spaß auf der Bühne- und das trotz der kalten Temperaturen und der späten Stunde. Mit dem letzten Song Der letzte Marsch gab die Crowd, sowie die Band, nochmal richtig Vollgas. Was für ein geiler Auftritt. Vielen Dank dafür.

Und mit den letzten Klängen von Ellende ging dann auch dieser lange Tag gegen 2.45 Uhr in der Nacht zu Ende. Mit einem großartigen Billing konnte das War against War Festival definitiv punkten, auch wenn es hier und da noch einiges zu verbessern gibt, beispielsweise an den Essens- und Getränkestand. Teilweise über eine Stunde anstehen für ein paar Pommes und einen Burger, der mit 9 € zu Buche schlug, ist definitiv zu lange. Dadurch verpassten einige Besucher teilweise ganze Bands, was wirklich sehr schade war. Aber für die erste Ausgabe konnte sich das Festival echt sehen lassen. Ich freue mich schon auf nächstes Jahr, denn Ausgabe Nummer zwei ist schon angekündigt. Wir sehen uns!

Fotos: Matthias M
Text: Steffi

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