Konzertbericht: Stahlzeit – Schutt und Asche Tour – Berlin

Die Columbiahalle brennt!

Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zur rechten Zeit.

Für die Berliner Stahlzeit-Fans hatte das Warten ein lang ersehntes Ende. Eine heiß vermisste Wintertradition konnte nach zwei Terminverschiebungen endlich fortgesetzt werden . Die spektakulärste RAMMSTEIN Tribute Show erhielt am Samstag den 03. Dezember 2022, im Rahmen ihrer Schutt und Asche Tour, wieder einmal die Möglichkeit, die Columbiahalle in Brand zu setzen. Während draußen eisige Minusgrade herrschten, boten die heißen Pyroeffekte der Show eine sehr willkommene Aufwärmmöglichkeit. Immerhin trafen die ersten treuen Fans bereits drei Stunden, bevor sich die Türen öffneten, an der Halle ein. Das lange Frieren wurde im Laufe des Abends allerdings reichlich belohnt, denn Stahlzeit gaben ganze 24 feurig-geladene Rammstein-Songs zum Besten. Dies bot ein Adventskonzert der ganz besonders heißen Art.

Gegen 18:40 Uhr wurden die durchgefrorenen und vorfreudig Wartenden endlich erlöst und von der wohltuenden Wärme der Columbiahalle in Empfang genommen. Zum Auftauen der kalten Füßen und zur optimalen Konzertvorbereitung mit passendem Merch, einem leckeren Getränk oder einem letzten Gang zur Toilette blieb noch mehr als genug Zeit. Nach und nach suchte sich jeder einen für sich passenden Platz aus. Gegen 20:00 Uhr wuchs jedoch die aufgeregte Spannung in den Zuschauerreihen immens. Einzelne Jubelrufe, Pfeifen und Klatschen wurde immer lauter – bis dann um 20:15 Uhr plötzlich das Licht ausging. Der schwarze Vorhang, hinter welchem die Bühne verborgen lag, wurde in ein dunkelblaues Licht getaucht. Wenige Augenblicke später ertönte ein lauter Knall und begleitet von einer Funkenexplosion fiel der dunkle Stoff zu Boden. Es erklangen nun die ersten Takte des Songs Armee der Tristen. Im Einklang mit diesen Tönen betrat die sechs-köpfige Band, bestehend aus “Heli”- Helfried Reißenweber (Gesang), Matthias Sitzmann (Gitarre), Mike Sitzmann (Gitarre), Samir Elflein (E-Bass), Thomas Buchberger-Voigt (Schlagzeug) und Ron Huber (Keyboard, Synthesizer, Klavier), die mehrstöckige Bühnenkonstruktion. Im relativ einheitlichem Schwarz der Kleidung seiner Bandmitglieder stach Keyboarder Ron Huber mit seinem goldenen Gewand ganz besonders heraus. Er erstrahlte förmlich wie eine Diskokugel.

Die Band performte einen Rammstein-Klassiker nach dem anderen. Dabei wurde an den Pyroeffekten definitiv nicht gespart. So loderten beim Song Sehnsucht einzelne kleine Feuer über die ganze Bühne verteilt und beim nächsten Song Asche zu Asche standen dann bereits die Mikrofonständer der beiden Gitarristen in Flammen. Außerdem griff Sänger und Frontmann “Heli” Reißenweber auch selbst bei dem ein oder anderen Song in die Trickkiste. Von einem funkenwerfenden Bogen über Flammenwerfer und Signalfackeln fand hier so einiges seine Anwendung. Im Song Mein Teil schob Reißenweber, gekleidet in eine blutige Kochschürze und mit einer dreckigen Kochmütze auf dem Kopf, einen riesigen Metallkessel auf die Bühne. In diesem befanden sich Ron Huber und ein kleineres Keyboard. Zum Ende des Songs schoss Reißenweber zunächst mit einem kleineren Flammenwerfer, anschließend mit einem größeren, riesige Flammenmeere auf den Kessel und den darin kauernden Huber. Natürlich wissen die aufmerksamen Fans, dass hierbei zahlreiche Showelemente von echten Rammstein-Konzerten nachgestellt werden. Doch Stahlzeit schaffen es perfekt, diesem Spektakel zusätzlich ihre ganz eigene Unterschrift zu verpassen. Sei es mit witzigen Albernheiten auf der Bühne oder mit speziellen Pyroeffekten. Zusätzlich sorgt die einzigartige Stimme des Sängers auch an der ein oder anderen Stelle für einen unterscheidenden Akzent. So wirkt nicht jeder Song, wie einfach nur vom Original kopiert, sondern als handele es sich dabei um eine ganz eigene Interpretation der Band.

“Berlin, endlich wieder bei euch! Gott, wie haben wir euch vermisst, hier in der Columbiahalle. Leck mich am Arsch!”, mit diesen Worten wurde das Publikum, nach den ersten sechs Songs schließlich auch persönlich begrüßt. Solch intime Interaktionen mit den Fans machen den ganz besonderen Reiz eines Stahlzeit-Konzerts aus. Während die großen “Originale” auf riesigen Stadionbühnen teilweise deutlich distanzierter zu ihren Zuschauern wirken, werden die Fans in einer Stahlzeit-Show wesentlich öfter angesprochen und gefeiert. Direkt nach der Begrüßung ging es munter weiter mit der bunten Rammstein-Setlist. Die fast ausverkaufte Columbiahalle war hierbei perfekt textsicher, so dass Passagen wie “Radio, mein Radio” oder “Du, Du hast, Du hast mich” lauthals mitgesungen wurden.

Passend zum Song Benzin holte Reißenweber eine Zapfsäule auf die Bühne. An dieser war ein Flammenwerfer befestigt, mit welchem im Refrain entsprechend Flammen und Funken geschossen wurden. In die Performance des Tracks Haifisch wurde das Publikum dann schließlich auch aktiv integriert. Ron Huber erhielt den Auftrag für seine Bandkollegen und sich, jeweils ein Bier zu besorgen. Hierfür ließ er sich in einem Gummiboot über die Köpfe der Zuschauer hinweg bis zur Bar tragen. Dieses Unterfangen gelang ihm dank der tatkräftigen Publikumsunterstützung tadellos. Vom Bier erfrischt, stimmte Reißenweber in Ohne dich dann etwas ruhigere Töne an. Ein Vorhang aus Funkenfontänen umhüllte den Sänger zum Ende des Liedes. Mittels einer roten Signalfackel wurde anschließend das brennende Herz des Sängers passend zu Mein Herz brennt dargestellt.

“Und dann reiß ich der Puppe den Kopf ab.”, diese Textzeile lässt schon vermuten, dass die Puppen-Überlebensrate der Show vielleicht nicht allzu hoch einzuschätzen ist. Passend zum Song Puppe bildeten nämlich ein gigantischer Puppenwagen und ein darin sitzendes Püppchen mit Häubchen die Hauptelemente der Bühnenshow. Während zunächst im ersten Refrain eine Stichflamme aus dem Wagen hinaus schoss, setzte sich das Püppchen zum 2. Refrain, begleitet von dunkellila Rauchwolken, empört auf. Zum Pech des Püppchens nahm Reißenweber den Songtext sehr wörtlich und riss der Puppe tatsächlich den Kopf ab, welchen er wie eine Art Trophäe mit sich nahm, als er die Bühne verließ. Gekleidet in einen eigenartig unförmigen Ledermantel und mit einer Fellmütze auf dem Kopf, kehrte Reißenweber dann zurück, bereit etwas zu Zerstören. Die Unförmigkeit seines Outfits klärte sich in dem Moment auf, als der Ledermantel abgelegt wurde und ein Sprengstoffgürtel zum Vorschein kam. Pünktlich zum Song-Ende explodierte dieser Gürtel mit zahlreichen Funken. Es folgte eine unerwartete Überraschung. Stahlzeit spielte den Song Dicke Titten. Die erst im Mai 2022 erschienene Single, erhielt somit wohl eine ihrer ersten Live-Performances, denn Rammstein selbst hat den neuen Hit bisher auf noch keinem einzigen Konzert zum Besten gegeben. Es folgten wieder ein paar deutlich ältere Klassiker, gepaart mit sehr heißen Flammensäulen und Funkenexplosionen. Der Hauptteil des Konzert fand dann im Song Pussy sein glorreiches Finale. Reißenweber bestieg eine überlebensgroße Metall-Kanone, deren Form optisch an ein männliches Geschlechtsteil erinnerte. Mittels dieser Kanone wurden die ersten Zuschauerreihen mit einer dicken Masse an weißen Konfetti-Schnipseln besprüht. Ein nettes Souvenir, welches mit nach Hause gekommen werden konnte. “Berlin, wir sagen Dankeschön!” , verabschiedete sich die Band dann schließlich vom Publikum.

Das konnte es doch noch nicht gewesen sein. In den angeheizten Zuschauerreihen ertönten laute “Zugabe”-Rufe. Nur wenige Minuten verstrichen, als aus den Bühnenlautsprechern ein düsteres Intro erklang. Die Menge tobte vor Begeisterung.  Nach den 21 Songs im Hauptteil des Konzerts folgten nun noch 3 weitere Tracks. Den Beginn machte Deutschland. Rote Flammen erhellten während des Songs die Bühne. “Ich will!”, diese Worte bildeten den Beginn des zweiten Zugabe-Tracks. Hier wurde es noch einmal explosiv und laut, durch zahlreiche Funkenexplosionen und die mitklatschenden Fans. Ein letztes Mal sprach Reißenweber zum begeisterten Publikum :” Wir sagen Dankeschön Berlin. Danke Rammstein, Das war Stahlzeit, vielen Dank!”. Mit der allbekannten Pfeifmelodie wurde schließlich der letzte Song des Abends eingeleitet, Engel. Den ersten Refrain dieses Klassikers übernahm das Publikum komplett und einzelne Fans fingen sogar an zu pogen. Im Hintergrund erschienen zwei große Flügel aus Metall, vor welchen Reißenweber zum Abschluss des Songs dann posierte. Begleitet von einer ruhigeren Version des Refrains, trat anschließend jedes des sechs Bandmitglieder noch einmal in den Vordergrund der Bühne und ließ sich mit tosendem Applaus feiern. Eine gemeinschaftliche Verbeugung gegen 22:30 Uhr stellte letztlich den endgültigen Abschluss dieses feurigen Konzertabends dar. Es war an der Zeit, die wohlige Wärme der Columbiahalle zu verlassen und sich wieder dem Alltag der kalten Berliner Winternacht zu stellen.

Doch es gibt Anlass zur Vorfreude, denn in nicht einmal mehr zwölf Monaten werden Stahlzeit am 25.11.2023 erneut die Columbiahalle Berlin zum Brennen bringen. Es gibt aber durchaus auch weitere Städte, in welchen die spektakulärste RAMMSTEIN Tribute Show einen Stopp einlegt. Ein Besuch bei einem dieser anderen Tour Termine lohnt sich auf jeden Fall. Alle Infos für die weiteren Tour-Termine gibt es hier.

Setlist:

  • Armee der Tristen
  • Sehnsucht
  • Asche zu Asche
  • Du riechst so gut
  • Mein Teil
  • Amerika
  • Zick Zack
  • Radio
  • Keine Lust
  • Benzin
  • Was ich liebe
  • Haifisch
  • Ohne Dich
  • Mein Herz brennt
  • Puppe
  • Zerstören
  • Dicke Titten
  • Sonne
  • Feuer Frei
  • Du Hast
  • Pussy
  • Deutschland
  • Ich Will
  • Engel

Veranstalter: New Berlin Konzerte

 

 

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